Endlich Gewissheit: Realität unterscheidet sich von Wirklichkeit

Homöopathen gelingt eindrucksvoller Beweis

Durch unterschiedliche Verwässerung derselben Gewissheit erzeugten Wissenschaftler der homöopathischen Ginseng-Universität voneinander abweichende Realitäten und Wirklichkeiten.

Homöopathen beim Verdünnen von Gewissheit

Homöopathen beim Verdünnen von Gewissheiten (Foto:www.tommelom.de)

„Hier entsteht ein ganz neuer Markt!“, zitiert die Fachzeitschrift „Das Pendel“ den freudig erregten Präsidenten der Homöpathischen Vereinigung Deutschlands (HVD), Andrea „Homoeo“ Bakter.

Es sei, so Bakter damit zu rechnen, dass in Zukunft Gewissheiten bereits in leicht verdünnter Reinform als unterschiedliche Realtäten und Wirklichkeiten wahrgenommen werden könnten. Die Homöophatie verspricht sich einen rasanten wirtschaftlichen Aufschwung. So kündigte der Verlag „HomoÖ“ bereits neue Unwirklichkeitspräparate mit exzellenter Unwirksamkeit an, die unter der Bezeichnung „Mozart-Blüten“ noch in diesem Frühjahr in den Handel kommen und nahtlos an erfolgreiche traditionelle homöopathische Therapien anknüpfen sollen.

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Suizid als Gemeinschaftsgut: Shades of Grey

Dem Blogschreier ist es zu verdanken, dass eine von der konventionellen Presse völlig ignorierte „bahn“brechende Entwicklung in der Gemeinschaftsgüterforschung  nun doch in die öffentliche Diskussion gelangt ist. Die Rede ist vom Vorschlag des Bonner Professors Dr. Angelico Farfallo – von Freunden der FH KW-West aufgrund gewisser Vorlieben auch liebevoll als (Earl) Grey bezeichnet –  die lästigen Individualselbstmorde auf öffentlichen Verkehrsstrecken geregelt in „Bahn“en zu lenken.   Dem Blogschreier ist hier zu gratulieren: die gediegene Recherche, die analytische Tiefenschärfe und die unnachahmliche stilistische Aufarbeitung sind als ein Meisterwerk wissenschaftsjournalistischer Arbeit anzusehen. Man wird wohl nicht falsch liegen, als Autor hier Prof Dr. Grö Laz Krall zu vermuten, demnächst B 12-Professor am Münchner Uli-Hoeneß-Institut zur Erforschung der Steuerersparnis als Gemeinschaftsgut, und aus der Internats-Schule des Angelico hervorgegangen.

Doch zunächst zu der – bei Lichte betrachtet – weniger bahnbrechenden als Bahn stützenden Konzeption des Professor Farfallo. Die Beschäftigung mit dem Suizid, dem Schutz der Gemeinschaft vor seinen lästigen Folgen und der Kommerzialisierung dieses „Gutes“ deuten auf eine konsequente Weiterentwicklung der Gedanken des Professors, dessen ins Graue tendierende Persönlichkeit schon immer schattige Plätze bevorzugte und abseitige Ideen begünstigte. Seine unerhörte textliche Produktivität hat denn auch als sein Opus Magnum der Welt jüngst den im Titel angesprochenen philosophischen Bestseller geschenkt, in dem Farfallo sein Idealselbst Grey meisterhaft zeichnet. Das Werk steht der „Philosophie im Boudoir“ des bekannten Aufklärers in nichts nach. Das Modell der Suizidstrecken jedoch erinnert eher an dessen bedauerliche  „Justine“.

Das als Gemeinschaftsgut konzipierte Modell des Angelico wurde offenbar von der Deutschen Bahn AG als vielversprechende Geschäftsidee umgedeutet – woran der Artikel des geschätzten Kollegen Krall einen gewissen Anteil gehabt haben mag. Zwar wurde als eine Lösung von Gemeinschaftsgutproblematiken immer auch schon die Privatisierung diskutiert – ein Gedanke, den Meister Angelicus bereits vor dem aktuellen Vorschlag der Einrichtung von Suizidstrecken gelegentlich äußerte, den aber erst sein Schüler Krall konsequent zu Ende dachte (ursprünglich im Experiment mit Süßigkeiten erprobt) und den er nun an seinem neuen Münchner Wirkungsort sicherlich zur Perfektion reifen lassen wird. Vertrauliche Informationen aus Kreisen der Deutschen Bahn jedenfalls lassen darauf schließen, dass das Programm „Rail & Die“ schon nahe der Marktreife ist. Lediglich die Preisgestaltung für den Suizid 1. Klasse und die Gruppenermäßigung werden firmenintern noch diskutiert. Eine Strecke in Bra*denb*g ist bereits gefunden, der sandige Untergrund hat sich entsorgungstechnisch als betriebswirtschaftlich optimale Lösung erwiesen. Spezialisierte Bestattungsunternehmen und der zu erwartende Friedwaldtourismus könnten der Wirtschaft in diesem zu Unrecht so verlassenen Landstrich zum Aufschwung verhelfen. Auf dem Bestatterblog werden die Gewinnaussichten bereits kalkuliert.

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Mehr noch: neben den ökonomischen Aspekten, sind hier auch Dinge der Philosophie berührt. Auf die zu erwartenden philosophischen Auseinandersetzungen zu Fragen des vergemeinschafteten Suizids zwischen dem großen Emeritus Yussuf Kostüm – nicht zu verwechseln mit der Hauptfigur  des kurz nach der Jahrtausendwende erschienenen Erfolgsromans „Der H** von der F**“ –  und Professor Krall darf man gespannt sein. In der Publikumsgunst scheint Krall im Moment die Nase vorn zu haben. Nach eigener  Zählung hat er im beliebten Messinstrument „Google Schüler“ mittlerweile nicht nur Kostüm überflügelt, sondern sogar den griechisch-amerikanischen Philosophen und Individualtheoretiker George „Veto“ T.  Unklar ist, durch welche Manipulationen dieses Ergebnis erzielt wurde. (Hier zeigt sich doch einmal wieder, zu welchen geistigen Leistungen gerade auch schmächtige Körper in der Lage sein können.) Das Schrifttum aller vorgenannten Herren – sie teilen eine Vorliebe für viele Worte –  ist jedenfalls ein „wachsendes Gemeinschaftsgut“.  Das Publikum darf unbesorgt sein: vom Programm „Rail & Die“ dürften sie vorläufig nicht Gebrauch machen.