Schlechte Nachrichten von Daheim

Einsamer Major Tom

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Suizid als Gemeinschaftsgut: Shades of Grey

Dem Blogschreier ist es zu verdanken, dass eine von der konventionellen Presse völlig ignorierte „bahn“brechende Entwicklung in der Gemeinschaftsgüterforschung  nun doch in die öffentliche Diskussion gelangt ist. Die Rede ist vom Vorschlag des Bonner Professors Dr. Angelico Farfallo – von Freunden der FH KW-West aufgrund gewisser Vorlieben auch liebevoll als (Earl) Grey bezeichnet –  die lästigen Individualselbstmorde auf öffentlichen Verkehrsstrecken geregelt in „Bahn“en zu lenken.   Dem Blogschreier ist hier zu gratulieren: die gediegene Recherche, die analytische Tiefenschärfe und die unnachahmliche stilistische Aufarbeitung sind als ein Meisterwerk wissenschaftsjournalistischer Arbeit anzusehen. Man wird wohl nicht falsch liegen, als Autor hier Prof Dr. Grö Laz Krall zu vermuten, demnächst B 12-Professor am Münchner Uli-Hoeneß-Institut zur Erforschung der Steuerersparnis als Gemeinschaftsgut, und aus der Internats-Schule des Angelico hervorgegangen.

Doch zunächst zu der – bei Lichte betrachtet – weniger bahnbrechenden als Bahn stützenden Konzeption des Professor Farfallo. Die Beschäftigung mit dem Suizid, dem Schutz der Gemeinschaft vor seinen lästigen Folgen und der Kommerzialisierung dieses „Gutes“ deuten auf eine konsequente Weiterentwicklung der Gedanken des Professors, dessen ins Graue tendierende Persönlichkeit schon immer schattige Plätze bevorzugte und abseitige Ideen begünstigte. Seine unerhörte textliche Produktivität hat denn auch als sein Opus Magnum der Welt jüngst den im Titel angesprochenen philosophischen Bestseller geschenkt, in dem Farfallo sein Idealselbst Grey meisterhaft zeichnet. Das Werk steht der „Philosophie im Boudoir“ des bekannten Aufklärers in nichts nach. Das Modell der Suizidstrecken jedoch erinnert eher an dessen bedauerliche  „Justine“.

Das als Gemeinschaftsgut konzipierte Modell des Angelico wurde offenbar von der Deutschen Bahn AG als vielversprechende Geschäftsidee umgedeutet – woran der Artikel des geschätzten Kollegen Krall einen gewissen Anteil gehabt haben mag. Zwar wurde als eine Lösung von Gemeinschaftsgutproblematiken immer auch schon die Privatisierung diskutiert – ein Gedanke, den Meister Angelicus bereits vor dem aktuellen Vorschlag der Einrichtung von Suizidstrecken gelegentlich äußerte, den aber erst sein Schüler Krall konsequent zu Ende dachte (ursprünglich im Experiment mit Süßigkeiten erprobt) und den er nun an seinem neuen Münchner Wirkungsort sicherlich zur Perfektion reifen lassen wird. Vertrauliche Informationen aus Kreisen der Deutschen Bahn jedenfalls lassen darauf schließen, dass das Programm „Rail & Die“ schon nahe der Marktreife ist. Lediglich die Preisgestaltung für den Suizid 1. Klasse und die Gruppenermäßigung werden firmenintern noch diskutiert. Eine Strecke in Bra*denb*g ist bereits gefunden, der sandige Untergrund hat sich entsorgungstechnisch als betriebswirtschaftlich optimale Lösung erwiesen. Spezialisierte Bestattungsunternehmen und der zu erwartende Friedwaldtourismus könnten der Wirtschaft in diesem zu Unrecht so verlassenen Landstrich zum Aufschwung verhelfen. Auf dem Bestatterblog werden die Gewinnaussichten bereits kalkuliert.

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Mehr noch: neben den ökonomischen Aspekten, sind hier auch Dinge der Philosophie berührt. Auf die zu erwartenden philosophischen Auseinandersetzungen zu Fragen des vergemeinschafteten Suizids zwischen dem großen Emeritus Yussuf Kostüm – nicht zu verwechseln mit der Hauptfigur  des kurz nach der Jahrtausendwende erschienenen Erfolgsromans „Der H** von der F**“ –  und Professor Krall darf man gespannt sein. In der Publikumsgunst scheint Krall im Moment die Nase vorn zu haben. Nach eigener  Zählung hat er im beliebten Messinstrument „Google Schüler“ mittlerweile nicht nur Kostüm überflügelt, sondern sogar den griechisch-amerikanischen Philosophen und Individualtheoretiker George „Veto“ T.  Unklar ist, durch welche Manipulationen dieses Ergebnis erzielt wurde. (Hier zeigt sich doch einmal wieder, zu welchen geistigen Leistungen gerade auch schmächtige Körper in der Lage sein können.) Das Schrifttum aller vorgenannten Herren – sie teilen eine Vorliebe für viele Worte –  ist jedenfalls ein „wachsendes Gemeinschaftsgut“.  Das Publikum darf unbesorgt sein: vom Programm „Rail & Die“ dürften sie vorläufig nicht Gebrauch machen.

Bahnverspätungen durch Personenunfälle – Abhilfe durch spezielle Suizidstrecken?

Jeder Reisende, der des öfteren mit der Bahn unterwegs ist, kennt das Problem: Irgendein Lebensmüder hat sich zur besten Verkehrszeit auf die Gleise gelegt und siegessicher auf die heran rasende ICE-Guillotine gewartet. Was aus seiner individuellen Sicht durchaus sinnvoll erscheinen mag, bringt für viele andere Menschen große Nachteile mit sich: traumatisierte Zugführer, bemitleidenswerte Tatortreiniger und nicht zuletzt die Reisenden, die sich auf üppige Verspätungen einstellen müssen.

Ein dynamisches Forscherteam unter Leitung des renommierten Alleskönners Prof. Dr. Angelico Farfallo an der Fachhochschule Königswinter-West hat nun einen vielversprechenden Vorschlag zur Beseitigung dieses Ärgernisses entwickelt: staatlich bereit gestellte Streckenabschnitte, die ausschließlich Suizidwilligen zur Verfügung gestellt werden sollen; kurz: Suizidstrecken als Gemeinschaftsgut.

Zukunftsmodell? Die Schwarze Flotte der Bahn

Zukunftsmodell? Die Schwarze Flotte der Bahn

Dabei ist angedacht, vor allem stillgelegte Streckenabschnitte in der ostdeutschen Tundra zu nutzen. In abgesperrten Bereichen von etwa 5km Länge können Personen, die einen Selbstmord beabsichtigen, durch Entrichtung einer Grundgebühr von etwa 5000 EUR (die neben den Treibstoffkosten für den Zug auch die Streckenreinigungskosten sowie die sachgerechte Entsorgung der menschlichen Überreste abdecken soll) an einem Automaten die Abfahrt des gewünschten Zuges auslösen. Der Ablauf ist dabei zeitlich so geplant, dass den Kunden genügend Zeit zum Aufsuchen des gewünschten Liegeplatzes auf dem Gleisbett verbleibt.

Während Vertreter der Katholischen Kirche den Wissenschaftler als gottlosen Irren geißeln, plant der rührige Professor bereits die umfassende Vermarktung des Projektes unter dem Motto „Schöner sterben mit Angelico“. Seitens der Deutschen Bahn war man bislang zu keiner Stellungnahme bereit. Hinter vorgehaltener Hand wird jedoch erwogen, die bislang eher mäßig prosperierende Unternehmenssparte AMEROPA um lukrative Fernreisen ins Jenseits zu erweitern. Aus ökologischer Sicht wird das Vorhaben ebenfalls positiv bewertet – zumindest insofern, als durch das Verhindern von Verspätungen wichtige Anreize für die Stärkung des Bahnverkehrs geschaffen werden, so die erste Einschätzung eines engagierten Kollegen vom Wuppertal Institut für Klimaforschung. Erste Meinungsumfragen unter der Bevölkerung zeigen dagegen ein gemischtes Bild. Während die Buchhalterin und Berufspendlerin Elke Schmitz (Name von der Redaktion geändert). aus Euskirichen-Nord große Probleme bei der Frage der steuerlichen Bewertung der Suizidgebühren sieht, unterstützt der emeritiere Philosoph Yussuf Kostüm das liberale Menschenbild, das diesem Konzept zugrunde liegt.